Warum dieselbe Creme bei einer Frau wirkt – und bei der anderen nicht

Veröffentlicht am 11. Juli 2026 von der med. Fachkosmetikerin Susanne Reimer. Die Lesezeit beträgt ca. 4 Minuten.

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Vor einiger Zeit kam eine Kundin mit einer großen Tasche in mein Institut. Darin lagen Cremes, Seren und Reinigungsprodukte, die sich im Laufe der Jahre in ihrem Badezimmer angesammelt hatten.

Einige benutzte sie täglich. Andere hatte sie nur wenige Wochen ausprobiert. Manche standen schon länger unberührt im Schrank, weil sie irgendwann nicht mehr sicher war, ob sie ihrer Haut wirklich guttaten.

Sie stellte die Produkte vor mir auf den Tisch und sagte: „Ich weiß inzwischen gar nicht mehr, was ich noch nehmen soll.“

Seit einiger Zeit spannte ihre Haut nach der Reinigung häufiger, wirkte trockener und reagierte empfindlicher als früher. Die Pflege, mit der sie lange zufrieden gewesen war, schien nicht mehr dieselbe Wirkung zu haben. Deshalb hatte sie nach und nach neue Produkte ergänzt und andere ersetzt.

Die Entscheidungen waren nachvollziehbar. Wenn sich die Haut trocken anfühlt, liegt eine reichhaltigere Creme nahe. Bei Rötungen sucht man etwas Beruhigendes. Wirkt der Teint müde, greift man zu einem Serum mit stärkeren Wirkstoffen.

Und trotzdem stand am Ende eine ganze Reihe von Produkten auf meinem Tisch, während das ursprüngliche Problem noch immer bestand.

Warum passiert das?

Weil das, was wir im Spiegel sehen oder auf der Haut spüren, nicht immer dasselbe ist wie das, was die Haut gerade wirklich braucht.

Symptome beschreiben etwas – sie erklären es nicht

Trockenheitsgefühl, Spannung, Rötungen oder ein müder Teint sind echte Beobachtungen. Sie sind wichtig, weil sie zeigen, dass sich etwas verändert hat. Sie erklären jedoch noch nicht, warum diese Veränderung entstanden ist.

Zwei Frauen können fast identische Symptome haben und trotzdem einen völlig unterschiedlichen Hautzustand. Die eine ist vorübergehend feuchtigkeitsarm und kann eine passende Pflege gut aufnehmen. Die andere hat eine empfindlichere, weniger belastbare Haut, die schon auf leichte Reize schneller reagiert.

Beide würden ihre Haut vermutlich als trocken beschreiben. Beide könnten deshalb dieselbe Creme auswählen. Trotzdem kann das Produkt bei der einen Frau gut passen, während es bei der anderen kaum etwas verändert oder zusätzliche Reaktionen auslöst.

Nicht zwangsläufig, weil die Creme schlecht ist. Sondern weil sie auf zwei unterschiedliche Ausgangslagen trifft.

Ich sehe das seit 38 Jahren im Institut

Kundinnen kommen häufig zu mir, wenn ihre bisherige Pflege nicht mehr richtig zu passen scheint. Einige bringen einzelne Produkte mit, andere stellen – wie diese Kundin – einen großen Teil ihres Badezimmerschranks vor mir auf den Tisch.

Dann schauen wir nicht nur darauf, was auf den Verpackungen steht. Wir betrachten auch, wann sich die Haut verändert hat, wie sie auf neue Produkte reagiert und welche Schritte zuletzt zur Routine hinzugekommen sind.

Oft zeigt sich, dass zu lange nur auf die sichtbaren Symptome geschaut wurde. Eine Haut kann trocken wirken, weil ihr vorübergehend Feuchtigkeit fehlt. Sie kann sich aber auch trocken anfühlen, weil sie Feuchtigkeit nicht ausreichend halten kann. Sie kann empfindlich reagieren, weil sie mit zu vielen Wirkimpulsen konfrontiert wurde, oder weil sie aktuell weniger belastbar ist.

Die Symptome können ähnlich aussehen. Die Priorität kann trotzdem eine andere sein.

Das ist der entscheidende Unterschied

Symptom bedeutet: Was du siehst oder spürst.

Hautzustand bedeutet: Wie belastbar deine Haut gerade ist und wie sie mit Pflege, Feuchtigkeit und Wirkstoffen umgehen kann.

Wer Pflege ausschließlich nach Symptomen auswählt, wechselt häufig Produkte, ohne zu wissen, ob der neue Schritt überhaupt zur aktuellen Situation passt. Dadurch kommen immer neue Texturen, Wirkstoffe und Reize hinzu, während die Haut kaum eine stabile Phase erhält.

Genau das war bei der Kundin mit der großen Tasche passiert. Jedes Produkt hatte einen nachvollziehbaren Zweck. Die eine Creme sollte Feuchtigkeit geben, das nächste Serum mehr Frische bringen, eine weitere Pflege die Empfindlichkeit beruhigen.

Was fehlte, war nicht zwingend noch ein Produkt.
Es fehlte eine klare Einordnung.

Auch bewährte Pflege kann plötzlich anders wirken

Die Haut bleibt im Laufe des Lebens nicht unverändert. Hormone, Stress, Schlaf, Jahreszeiten, Umwelteinflüsse und Alterungsprozesse verändern ihre Belastbarkeit. Deshalb kann eine Creme, die jahrelang gut funktioniert hat, später anders empfunden werden.

Das bedeutet nicht automatisch, dass mit dem Produkt etwas nicht stimmt. Die Voraussetzungen können sich verändert haben. Was die Haut früher gut verarbeiten konnte, kann in einer empfindlicheren Phase zu viel sein. Was damals ausreichend war, kann heute nicht mehr dieselbe Unterstützung bieten.

Wer diese Veränderungen nicht berücksichtigt, sucht häufig nach einer neuen Creme, obwohl die wichtigere Frage an einer anderen Stelle beginnt.

Bevor du die nächste Creme kaufst

Ich sage meinen Kundinnen deshalb immer wieder: Schau nicht nur darauf, welches Symptom dich gerade stört. Frage dich zuerst, was sich in den vergangenen Wochen oder Monaten verändert hat.

Hat deine bisherige Pflege früher gut funktioniert? Hast du mehrere Produkte gleichzeitig ergänzt oder gewechselt? Reagiert deine Haut heute schneller als noch vor einigen Jahren? Fühlt sie sich trotz reichhaltiger Pflege weiterhin gespannt an?

Diese Fragen liefern noch keine fertige Antwort. Sie helfen jedoch dabei, die Haut nicht vorschnell anhand eines einzelnen Symptoms einzuordnen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht sofort:

Welche Creme brauche ich?

Sondern zunächst:

In welchem Zustand befindet sich meine Haut gerade?

Das ist der Perspektivwechsel, der aus einer Sammlung von Produkten wieder eine nachvollziehbare Pflegeroutine machen kann.

Und genau aus diesem Grund habe ich den Hautkompass geschrieben.

Er soll dir helfen, die Zeichen deiner Haut besser einzuordnen, bevor du das nächste Produkt ausprobierst. Ohne ständiges Wechseln, ohne unnötigen Frust und ohne das Gefühl, wieder Geld für etwas ausgegeben zu haben, das vielleicht erneut nicht passt.

Er ist kein weiteres Pflegeprodukt.

Er ist eine Orientierung.

Und manchmal ist genau das der erste sinnvolle Schritt.

Zum Hautkompass

Fakt: Dermatologische Studien zeigen, dass reife Haut durch eine gestörte Barriere bis zu 30 % mehr Wasser verliert als jugendliche Haut.

Tipp: Wenn deine Haut nach dem Eincremen brennt, juckt oder glänzt, solltest du das ernst nehmen. Es handelt sich nicht um einen „Pflegefehler“, sondern um ein Barriere-Signal.

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Hallo, ich bin Susanne...

... schön, dass du hier hingefunden hast. Ich bin seit mehr als 38 Jahren begeisterte Kosmetikerin und habe mich in unzähligen Weiterbildungen auf Faltenhebung ohne Skalpell spezialisiert. Dieses Wissen bereite ich in meinen Blogs für die "normale" Frau auf, damit ihre Hautpflege zum gewünschten Ergebnis führt. Das ist meine Leidenschaft und jetzt wünsche ich dir Viel Spaß beim Lesen...! Mehr über mich

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Wie lange braucht meine Hautbarriere, um sich zu regenerieren?

Abhängig von der Schädigung dauert es 4 bis 8 Wochen, bis hin zu  6-8 Monate. Bei konsequenter, abgestimmter Pflege kann es oft schneller gehen.

Welche Creme hilft bei Haut, die sich gespannt anfühlt?

Nicht die mit der größten Menge an Inhaltsstoffen, sondern die mit funktionellen Lipiden (z. B. Ceramide, Squalan).

Ist es in Ordnung, wenn ich weiterhin Peelings anwende?

Ja, wenn es hautidentische Säuren oder Enzym-Peelings sind. Ein- zweimal pro Woche.

Hallo, ich bin Susanne Reimer – seit über 38 Jahren begeisterte medizinische Kosmetikerin und Hautexpertin.


In meinem Institut habe ich tausende Behandlungen durchgeführt und unzähligen Frauen geholfen, ihre Haut wieder ins Gleichgewicht zu bringen – ganz ohne Skalpell oder überteuerte Trends.

 

Hier auf dem Blog teile ich mein Wissen aus der Kabine, zeige verständlich, wie Hautpflege wirklich funktioniert, und helfe dir, deine Haut langfristig gesund und strahlend zu halten. ✨

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